Ja, es ist zumindest mal ähnlich kompliziert, was den Status und die Verbreitung angeht. Es gibt leider nur wenige Infos dazu. Wissenschaftlich scheint eine Unterteilung wohl keinen Sinn zu ergeben, aber trotzdem wird immer wieder von der "großwüchsigen Form" "taurica" gesprochen, eben ganz wie bei Cornu aspersum "maxima", ja.
Also, was ich mir zusammengesammelt habe ist es so (ich bin keine Biologin, ich habe mir das nur aus wissenschaftlichen Publikationen zusammengesammelt!):
Früher wurde unterschieden zwischen zwei Subspezies Helix lucorum "lucorum" und Helix lucorum "taurica". Dabei ist die "lucorum"-Normalform die kleinere mit einer Größe um die 4 cm und kommt praktisch überall in Anatolien vor, aber auch auf dem Balkan, in einer bereits seit dem 18. Jhd. beschriebenen Population in Italien und von dort aus an weiteren Orten in Europa (1883 wurde diese Form nach Lyon gebracht, und auch in Spanien wurde eine Population beschrieben, die von der italienischen abstammen soll). An weiteren Orten wurde ebenfalls die kleinere Form beschrieben (in den Zentren von Warschau und Prag sowie in Paris), sodass anzunehmen ist, dass sie eigentlich weit verbreitet ist.
Die "taurica"-Form ist die größere mit 5-6 cm und auch einer leicht anderen Gehäuseform ("lucorum" ist abgeflachter, "taurica" ist runder). Die Gehäuse sollen einen gelblicheren Hintergrund haben und dunkler sein. Sie wurde vor allem von der Krim beschrieben. Mittlerweile sind solche Schnecken aber auch woanders gefunden wurden, eben auch in Anatolien. Offensichtlich seit einigen Jahren nun aber auch in Südfrankreich, wie auch immer die nun dahin gekommen sind.
https://www.researchgate.net/publication/326274275_The_contribution_of_ancient_and_modern_anthropogenic_introductions_to_the_colonization_of_Europe_by_the_land_snail_Helix_lucorum_Linnaeus_1758_Helicidae The contribution of ancient and modern anthropogenic introductions to the colonization of Europe by the land snail Helix lucorum Linnaeus, 1758 (Helicidae)
Dieses Paper ist schon etwas älter, aber sehr aufschlussreich, finde ich, und die meisten Infos, die ich habe stammen von dort, aber auch von einzelnen Arbeiten zu Populationen andernorts. Jedenfalls ist in dem Paper auch eine Karte zu finden, auf der die wissenschaftlich untersuchten und beschriebenen Populationen von Helix lucorum eingezeichnet sind. Außerdem gibt es Bilder von verschiedenen Helix lucorum. Die Autoren zeichnen auch nach, wie sich das mit "taurica" entwickelt hat und dass es sich vermutlich nur um die Extremvarianten einer ohnehin sehr großen morphologischen Bandbreite handelt. Während die in Europa eingeschleppten Helix lucorum relativ homogen zu sein scheinen, gibt es im Ursprungsgebiet in Anatolien wohl eine sehr große Bandbreite, je nach Standort, manchmal nach Untersuchungen mit mitochondrialer DNA sogar verschiedene "Suptypen" (Kladen) an einem Ort. Generell sagen die Autoren, dass Helix lucorum eine viel größere Bandbreite an Gehäusemorphologie und Farben aufweisen kann als andere Helix-Arten. Sie mutmaßen, dass es auch mit den Lebensumständen zu tun haben könnte, dass ein abgeflachteres Gehäuse besser ist, um wie Cepaea in Sträuchern zu klettern, während ein runderes Gehäuse besser für ein Leben im Boden und ein ständiges Eingraben geeignet ist.
Ich habe auch ein anderes Paper gefunden (ich glaube, das hatte ich irgendwo schon mal verlinkt:
https://journals.tubitak.gov.tr/zoology/vol37/iss1/1/), dort wurden in Georgien verschiedene Populationen vermessen, solche in eher "Wildnis-Umgebung" und solche in städtischer Umgebung, und es wurde festgestellt, dass in städtischer Umgebung Helix lucorum in größerer Zahl, aber mit kleinerem Gehäusedurchmesser auftreten (ca. 3,5 bis 3,8 cm in Menschennähe vs. 4,2-4,5 cm in "Wildnis"), und zwar unabhängig von anderen Faktoren wie dem lokalen Klima. Also, anders gesagt, menschliche Aktivität scheint einen größeren Faktor darzustellen als Umgebungsbedingungen. "Whatever the causes, these results show a form of adaptability in H. lucorum populations of a kind not yet reported in other snails." stellt dieser Autor fest.
Dazu kommt ja noch, dass Helix lucorum mittlerweile unabsichtlich, aber als "Nahrungsmittelvorrat" sicher manchmal auch absichtlich verbreitet worden ist, so stellen sich die Autoren vom ersten Paper auch vor, wie "taurica" überhaupt auf die Krim kam. Und man kann auch nicht ausschließen, dass Schnecken zunächst aus der Türkei an andere Standorte verschleppt wurden und dann wieder zurück. Frankreich hat wohl sehr lange viele Schnecken aus der Türkei importiert, weil der Bedarf durch die heimischen Schnecken nicht gedeckt werden konnte, aber was für Schnecken waren das? Große oder kleine? Und welche davon sind dann wo in Frankreich in den Parks gelandet? Und über Schneckenzucht und deren Auswirkungen findet man in der wissenschaftlichen Literatur, soweit ich das gesehen habe, nichts. Aber irgendwo scheint es ja schon Unterschiede zu geben, wenn in Papers die ganze Zeit von Messungen des Gehäuses von um die 4 cm die Rede ist und in Frankreich auf einmal haufenweise Exemplare von 5-6 cm auftauchen.
Letztlich ging es für mich ja darum, wie ich am besten für meine Schnecken hier sorgen kann, und dafür hat es mir irgendwie nicht sehr viel geholfen. Ich habe sowohl flachere als auch kugeligere Gehäuseformen, dunklere und hellere Gehäuse, dunklere und hellere Weichkörper. Aber offensichtlich gibt es ja einen großen Unterschied im Vergleich zu was andere Halter hier im Forum beschrieben haben, weil deren Helix lucorum wohl viel mehr geklettert sind (ich denke hier an die von Gelbhalsmaus), während meine nicht dazu zu bewegen sind. Meine graben sich morgens ein und abends wieder aus und die meiste Zeit habe ich ein scheinbar leeres Terrarium. Das scheint aber wohl ja dann normales Verhalten zu sein. Meine stammen aus Bulgarien, werden also wohl keine "taurica" sein, aber ich habe sie ja quasi noch nie wirklich gesund gesehen, schäm.

Deshalb bin ich einfach sehr gespannt, wie groß sie denn dann jetzt werden, wenn es ihnen mal (hoffentlich) richtig gut geht.
Ups, schon wieder so ein Roman, sorry.
