Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Alles rund um unsere einheimischen und benachbarten Schneckenarten.

Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon geckopfote am 20.01.2015, 09:11

Hallo liebe Schneckenfreunde,

wahrscheinlich eine total bescheuerte Frage von einem absoluten Schneckenneuling, aber gibt es unter Schnecken auch Inzucht? Heißt, wenn man z.B. die Elterntiere mit den Jungtieren zusammen lässt und die sich dann auch paaren?
Hoffe ihr lacht mich jetzt nicht aus :-D
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Eguana am 20.01.2015, 09:35

Gute Frage, ich will vl Nachwuchs behalten und habe schon ein Tier da, dessen Eltern im Becken leben, allerdings weiß ich nicht, ob so ein Zwerg wie Zuckerli, er ist 6 Monate alt schon interessant ist. Vermutlich wird so ein Zwerg nicht ernst genommen.
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Cochlea am 20.01.2015, 10:25

Ich gehe mal schwer davon aus, dass es bei Schnecken Inzucht gibt. Daraus resultieren, denke ich, unter anderem auch viele genetische Defekte bei Schneckennachzuchten. Ob Inzucht in der Natur vorkommt, oder ob Minischnecken irgendwann ihren Schlupfort verlassen, um sich "eigene Reviere" zu suchen, weiß ich allerdings nicht.

Eguana: Solange deine Schnecke als nicht geschlechtsreifes Tier bei geschlechtsreifen Tieren sitzt, ist sie natürlich nicht interessant. Das wird sich wahrscheinlich ändern, sobald sie geschlechtsreif wird. Wenn kein anderer Partner vorhanden ist, wird zur arterhaltung genommen was da ist.
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Eguana am 20.01.2015, 16:23

Mir wurde gesagt hier, mit 6 Monaten ist sie in der Lage Kinder zu bekommen. :)
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Cochlea am 20.01.2015, 18:37

Das ist richtig. Hat die Schnecke denn schon ihren Geschlechtsknubbel? Solange der nicht da ist, wird sie erst mal uninteressant bleiben.
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Eguana am 20.01.2015, 18:43

Was ist das?
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Michi am 20.01.2015, 18:49

Die Geschlechtsöffnung, hinter dem rechten Fühler
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Schnörkelchen am 20.01.2015, 21:07

Eguana, schau mal hier auf meiner HP (meine Beobachtungen) über Schnecken...http://wildlife-photo-gallery-tiere.jim ... %C3%BCben/
Wäre als Threat mir hier zu lang.
Hier mal zwei Bilder...
Image

und....
Image

oder auch das Legen einer mysteriösen Schleimspur wird macht dein kleines Schneckchen sexuell für andere sehr attraktiv. Selbst meine Suturis (eine) ist vom Teller runtergekrochen zu den anderen, hat den Irrtum dann wohl schnell bemerkt :mrgreen: .

2 verlinkte Bilder gefunden, 2 konnten gesichert werden.

http://abload.de/img/schneckenben2cutairsh.jpg
http://abload.de/img/schneckenben3cutcyp4u.jpg
LG Schnörkelchen
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Fine am 20.01.2015, 23:10

Um nochmal auf das eigentliche Thema zurückzukommen (Eguana, bitte deine Fragen zur Geschlechtsreife in einem deiner Threads stellen!)......es ist ja klar, dass es Inzucht bei Schnecken gibt, da sich sowohl in der Natur als auch in der Haltung nah verwandte Tiere paaren.

Die Frage wäre eben, ob es dadurch irgendwelche Schäden zutage treten oder eine Inzuchtdepression auftritt. Ich persönlich vermute ja, dass das Problem bei Schnecken nicht so ausgeprägt ist, da sie ja nicht so einen großen Aktionsradius haben, dass sie ständig blutsfremde Partner finden könnten Außerdem konnte ich bei unseren heimischen Schnecken, die z.B in einem durch Straßen und Häuser recht begrenzten Gebiet leben, nichts dergleichen beobachten, aber wirklich wissen tu ich es natürlich auch nicht.

Geckopfote, du interessierst dich ja für Weinbergschnecken, vielleicht wäre es aufschlussreich, wenn man mal bei einer Zuchtanlage nachfragt, wie deren Erfahrungen so sind?
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Ryk am 23.01.2015, 14:51

Hallo zusammen !

Nach meinen Recherchen, u.a. auch bei Arnim Bähler von der Schneckenzuchtanlage in Elgg/Kt. Zürich, besteht gerade bei der Weingerbschnecke eine gewisse Selbstregulierung. So weiss man inzwischen, dass bei einer Paarung von diesen Zwittern nicht immer eine gegenseitige Befruchtung stattfindet/stattfinden muss. Diese Selbstregulierung führt auch dazu, dass in einem relativ kleinen Zuchtbeet in der Regel die zu ""erntende"" Anzahl Nachkommen auf etwa 20 bis 25 Stück beschränkt bleibt.

Bekanntlich kriecht eine Helix pomatia nicht gerne über die Schleimspur von einer anderen Revierbewohnerin, weil jede Schnecke gewisse Duftmoleküle in ihrer eigenen Spur hinterlässt, die andere Beetbewohner nicht sonderlich zu schätzen scheinen.

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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Fienchen am 24.01.2015, 17:49

Die Pomatia, die ich im Außengehege habe, halten auch in etwa die selbe Anzahl.
Bei den Afrikanern hat man das aber noch nicht nachgewiesen, oder Ryk?

Bei meinen Sutus ist es ganz deutlich, daß sie, sofern sie die Wahl haben, die eigenen Geschwister und Eltern meiden bei der Wahl des Schnexpartners. Nicht wissenschaftlich, aber mit Liebe beobachtet. :)

Und, aber auch nicht wissenschaftlich beobachtet, ich finde es auffällig, daß die immer wieder und wieder verinzüchteten Fulica immer kleiner und anfälliger werden. Wohingegen Nachkommen von WF meistens recht groß und robust sind.
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Cochlea am 24.01.2015, 18:48

Fienchen: Ich beobachte bei meinen fulica das Gleiche. Meine drei ersten habe ich aus der Tierhandlung, muss also davon ausgehen, dass sie aus dem gleichen Gelege stammen. Diese Tiere haben sich noch nicht ein Mal untereinander gepaart. Sie paaren sich ausschließlich mit meiner White Jade, die erst einige Wochen später aus dem Tierschutz dazu kam. Ich habe noch zwei "Fremdschnecken" im Becken, die jedoch noch nicht geschlechtsreif sind. Sobald sich da ein Geschlechtsknubbel zeigt, werde ich mal beobachten, ob auch die beiden von meinem Startergrüppchen bevorzugt werden.
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Fine am 24.01.2015, 19:19

Das ist, denke ich, gar nicht so unwahrscheinlich. Selbst bei Menschen wurde ja nachgewiesen, dass z.B. der Geruch eines Partners mit möglichst unterschiedlicher genetischer Disposition (was bestimmte Gene, die für die Bildung von Proteinen für die Immunabwehr zuständig sind betrifft) anziehend auf das andere Geschlecht wirkt.
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Artemis am 25.01.2015, 13:01

Moin!
Ich gebe mal meinen Senf dazu. Mit Vererbung bei Schnecken speziell kenne ich mich nicht so aus, aber das sollte ja eigentlich sein wie bei Wirbeltieren. Inzucht ist eigentlich nicht schlimm, da es bei der Gendurchmischung egal ist, wie ähnlich sich die Gene sind. Das Problem dabei ist, dass die Nachkommen bei eventuell auftretenden erblichen Gendefekten gleich die "doppelte Dosis" abbekommen können. Da der Chromosomensatz doppelt ist (bei Schnecken ist das doch auch so, oder?), fällt es oft gar nicht auf, wenn ein Chromosom mit einer Mutation belastet ist, die im schlimmsten Fall tödlich wäre, zum Beispiel wenn ein Eiweißß nicht produziert werden kann, weil das andere Chromosom noch funktionsfähig ist. Haben aber beide Elternteile die gleiche Mutation, tritt sie mit großer Wahrscheinlichkeit beim Nachwuchs auf beiden Chromosomen auf.
Ich hoffe, ich könnte helfen.
Liebe Grüße, Scarlett
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Re: Gibt es bei Schnecken Inzucht?

Beitragvon Ryk am 27.01.2015, 14:20

Hallo zusammen !

nachdem ich die jüngsten Beiträge gelesen habe, muss ich doch noch einmal auf das Thema Inzucht näher eingehen

Unter dem Begriff Inzucht versteht man allgemein die Paarung relativ naher Blutsverwandter, d.h. in der Tier- und Pflanzenzucht speziell die Kreuzung möglichst naher Verwandter, um genetisch reinerbige Inzuchtlinien zu erhalten.

Tatsache aber ist, dass bei den meisten Tierarten Inzest oder Inzucht dadurch vermieden wird, indem Nachkommen sich zerstreuen bzw. von den Eltern nicht mehr geduldet werden, oder indem die jungen Männchen oder die jungen Weibchen die Gruppe verlassen, so kommt es zur Trennung der Geschwister, was man als Exogamie bezeichnet.

Bei den Schnecken ist die Situation bekanntlich insofern anders, als sie ja durchwegs Zwitter sind, wobei hier die Situation wieder etwas anders ist. Wie ich oben in meinem Beitrag (oben) schon erwähnte, treten auch in einer Weinbergschneckenzuchtanlage keine nachweisbare Zwitter auf, weil die Schleimspur jeder Schnecke die für sie typischen (Duft-)Moleküle enthält, wodurch sich die anderen Schnecken von dieser Spur absondern.

Was nun die Vererbung betrifft, so hatte bekanntlich der böhmische Pater Gregor Mendel noch vor Darwins Hauptwerk "Entstehung der Arten . . ", also vor über 160 Jahren, mit seinen Erbsenversuchen im Klostergarten die Grundlagen geschaffen, die wir heute als die "Drei Mendel'schen Gesetze" kennen. Aber das ist wieder ein anderes Thema, denn in der Biologie bedeutet Vererbung die direkte Übertragung der Eigenschaften von Lebewesen auf ihre Nachkommen, soweit die Informationen zur Ausprägung dieser Eigenschaften genetisch festgelegt sind. Das Ganze kennt man in der Wissenschaft unter dem Begriff Genetik. Ein anderer Begriff daraus dürfte mittlerweilen unter der Abkürzung DNA bekannt sein.

carpe diem

Ryk

EdiT: Der guten Ordnung wegen sei hier ergänzend noch beigefügt: Während die meisten Vorderkiemenschnecken getrennt gescchlechtlich sind, sind jedoch sowohl die meereslebenden Hinterkiemer, als auch die Land und Süsswasser bewohnenden Lungenschnecken Zwitter (= Hermaphroditen). - Eine weitere Ausnahmen stellen die altertümlichen Napfschnecken dar, indem hier die Befruchtung äusserlich stattfindet.
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