von captain am 28.04.2026, 14:54
Danke an alle für die netten Worte. Als ich mit dem Habitat 2 begann, wollte ich eigentlich nur ein größeres Terrarium bauen – und schnell entwickelte es sich in eine Richtung, die ich mir selbst gar nicht vorstellen konnte. Anfangs war nur geplant, eine gesteuerte Beleuchtung einzubauen. Zum Steuern wollte ich einen schon lange verstaubt in einer Schublade liegenden Arduino-Elektrobaustein verwenden. C++ habe ich zuvor noch nie in meinem Leben selbst programmiert. Ich habe sehr rudimentär mit einfachen Dingen gearbeitet, wie es die meisten mit Arduino tun: etwas zusammenstecken, ein fertiges Stück Code nutzen, und es läuft – und man hat Spaß.
Das war aber schnell überschritten, und selbst das Arduino-Board erreichte bald seine Grenzen. Also habe ich mir C++ selbst beigebracht, ebenso das Bauen und Verstehen von Elektronik. Die Sensoren, die ich zunächst einsetzen wollte, waren zwar ein guter Ansatz, aber nicht tauglich für den langfristigen Einsatz. Im Probebetrieb gingen sie nach kurzer Zeit kaputt, da sie oft schlecht und günstig verarbeitet sind. Also musste ich lernen, Sensoren selbst zu bauen – und besser zu machen: haltbarer und präziser. Inzwischen verwende ich Sensoren, die in Langzeitversuchen sogar vollständig tauchfähig sind, da ich meine kleinen Weinbergschnecken nicht stören möchte, wenn ein Sensor ausfällt. Eingriffe wären dann oft recht radikal und würden viel zerstören – genau das soll dieses Projekt ja vermeiden.
Mit dem Lernen wuchsen auch meine Ideen: wie man mit Überwärme umgeht, mit zu hoher oder zu niedriger Luftfeuchtigkeit, mit zu viel CO₂ und so weiter. Dank angewandter Physik – und nein, ich bin kein Physiker, sondern tatsächlich Kapitän zur See – ist das Habitat 2 nun zu etwa 90 Prozent fertig. Ein paar Kopfschmerzen bereitet noch die Überarbeitung des hydraulischen Systems. Meine Vorgabe ist, so wenige sichtbare Kabel und Schläuche wie möglich zu haben. „Design follows function“, aber man kann sich ja trotzdem fragen, warum man fünf Schläuche verlegen sollte, wenn einer reicht. So landet man plötzlich bei Themen wie Hydraulik, Solenoiden und der Frage, wie man eine unsichtbare Wasserverteilung in einen Deckel integriert.
Drei große Aufgaben stehen noch bevor: Erstens müssen die 26 Kabel, die unterirdisch auf der Rückseite aus dem Habitat führen, zu einem einzigen Kabel gebündelt werden, das zum Mikrocontroller geht. Zweitens soll diese Mikrocontroller-Einheit, die aktuell noch wie ein explodierter Wollknäuel aus bunten Drähten aussieht, zu einer ultrakompakten Einheit werden, die unauffällig im Wohnzimmer verschwinden kann. Und drittens steht noch die Finalisierung der Hydraulik an.
Im Grunde habe ich dieses Habitat während seiner Entwicklung viermal gebaut, da viele Dinge relativ schnell ausfielen. Die Lernkurve war steil – und ehrlich gesagt auch ziemlich brutal. Aber jetzt steht das Ziel, und die Schneckchen sind eingezogen. Zwei schlafen noch tief und fest; der Umzug hat sie nicht einmal geweckt.
Heute habe ich noch etwas Totholz eingebracht, das seit einem Jahr im Quarantänelager lag, damit sie Versteckmöglichkeiten haben. Es war ein unglaublicher Anblick zu sehen, wie eine der Schnecken, die zuerst wach war, schnurstracks zum Klee gekrochen ist, sich daraufgesetzt hat – und man ihr förmlich ansehen konnte, dass sie sich wohlfühlt und am liebsten gar nicht mehr weg möchte. Am Ende ist sie dann doch weitergezogen, weil die Müdigkeit sie übermannte: zum Breitwegerich, unter dessen Blätter sie sich zurückgezogen hat.
Die Pflanzen sind allesamt Naturentnahmen und haben eine mehrmonatige Quarantäne durchlaufen, sodass keine Fremdorganismen eingeschleppt wurden: schmaler und breiter Wegerich, Löwenzahn, Efeu, Gänseblümchen – und natürlich eine Zimmerlilie für den Sauerstoff sowie ausgesäter Weißklee. Ich hoffe, die Pflanzen vertragen sich miteinander, aber die Schnecken sind ohnehin die besten Gärtner – die werden das schon regeln.
Ergänzend dazu: Nach dem inneren Rohbau, mit seinen unterirdischen Unterteilungen und der integrierten Sensorik, wurde das Habitat mit vier verschiedenen Erdmischungen befüllt. Alle Sensoren sind exakt auf die jeweiligen Feuchtigkeitsgrade und deren Verlauf abgestimmt. Es gibt einen Bereich, in dem die Erde um etwa sechs Zentimeter erhöht ist. Hier findet eine sehr dezente Aufkalkung statt; der Boden ist bewusst grabfreudig gehalten, Verwurzelungen sind dort jedoch nicht möglich. Die Pflanzen wurden bereits früh – etwa zwei Monate nach Baubeginn – eingesetzt, damit sie sich gut mit dem Erdreich verbinden können.
Zusätzlich gibt es eine sogenannte Gartenecke: Sie liegt auf Blähton, ist extrem feucht, und der Blähton verhindert, dass die Schnecken dort graben. Eine weitere Zone dient gezielt der Kalkaufnahme – dort befindet sich Sepia, und die Erde ist mit etwa 10 % Feuchtigkeit sehr trocken gehalten. In der erhöhten Ecke hingegen liegt die Feuchtigkeit bei etwa 60 bis 70 %. Da der Boden dort locker und nicht durchwurzelt ist, gehe ich davon aus, dass die Schnecken diesen Bereich bevorzugt zum Eingraben ihrer Eier nutzen werden – was es mir erleichtern würde, diese später zu finden. Ob der Plan aufgeht, wird sich zeigen.
Der restliche Bereich besteht aus einer 50/50-Mischung aus Blähton und verschiedenen Substraten: teils sterilisierter Naturerde, teils Kokoshumus. Dieses System ist inzwischen gut durchwurzelt und stabil. Ich hoffe, dass ich die Eiablage damit ein Stück weit lenken kann – bin aber gleichzeitig auf Überraschungen vorbereitet. Schnecken sind schließlich hervorragende Gräber und kleine Bulldozer.
Eines ist sicher: In zwei Monaten wird nichts mehr so aussehen wie jetzt. Aber das ist auch gut so, denn es ist nicht mein Zuhause – es gehört ihnen. Mit ihrem Einzug bin ich vom Baumeister zum Beobachter geworden. Die eigentlichen Besitzer sind nun die Schnecken, und sie werden sich alles so einrichten, wie es für sie am besten passt.
Wenn ihr noch Ideen habt, was in ein Biotop gehört, lasst es mich gerne wissen. Die Planung für Habitat 3 läuft bereits im Kopf an. Aber zunächst wird Habitat 2 noch schön fertiggebaut. Dann gibt es eine kleine Pause – und danach geht es vermutlich schon weiter mit Habitat 3, das dann auch einen internen Wasserkreislauf mit eigener Filterung bekommen soll.