NOTFALL! Mantelvorfall bei *Helix pomatia* – heilbar?

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NOTFALL! Mantelvorfall bei *Helix pomatia* – heilbar?

Beitragvon captain am 13.09.2026, 15:25

**Mantelvorfall bei *Helix pomatia* – heilbar?**

Hallo zusammen,

meine erwachsene Weinbergschnecke hat vermutlich einen Mantelvorfall beziehungsweise eine teilweise Ablösung des Mantels vom Gehäuse. Anfangs war nur auf einer Seite dunkles, hervortretendes Gewebe zu sehen; inzwischen scheint es auch auf der anderen Seite aufzutreten.

Zeitweise hatte sie sich deutlich stabilisiert: Sie fraß freiwillig Süßkartoffel, Löwenzahn, Brei und Eierschalenkalk, trank, setzte normalen Kot ab und konnte sich vollständig ins Gehäuse zurückziehen. Mittlerweile ist sie jedoch wieder sehr inaktiv, schwach und frisst kaum noch. Gelegentlich hängt sie sogar noch kopfüber, scheint damit aber ihren Körper stark zu belasten.

Sie sitzt derzeit einzeln, sauber, ruhig und gut belüftet auf einer flachen Ebene. Wasser, Kalk und verschiedene Futtersorten stehen unmittelbar erreichbar bereit. Das Gewebe lässt sich zwar vorsichtig zurück ins Gehäuse bewegen, tritt aber wieder hervor; weitere Manipulationen möchte ich deshalb vermeiden.

Hat jemand einen vergleichbaren Mantelvorfall bei einer *Helix pomatia* erlebt, der tatsächlich wieder verheilt ist? Mich interessieren besonders konkrete Verläufe, Zeiträume und erkennbare Heilungszeichen – gern auch wissenschaftliche oder tiermedizinische Quellen. auch über die Gründe warum es passiert.

Fotos kann ich selbstverständlich ergänzen.
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Re: NOTFALL! Mantelvorfall bei *Helix pomatia* – heilbar?

Beitragvon Rasplutin am 13.09.2026, 15:42

Hallo,

ja, das musste ich bei Helix pomatia schon einige Male erleben. Zum Glück hatte ich bei denen noch nie einen Todesfall deswegen. Sie scheinen wesentlich besser im Gehäuse verankert zu sein als z.B. ihre Verwandten, die Cornu aspersum.

Der häufigste Grund für so einen Vorfall scheint eine zu hohe Temperatur UND Luftfeuchtigkeit zu sein.

Bei meinen Schnecken ist aus dem Mantelvorfall nach der Temperaturverbessung ein dicker Wachstumsrand geworden.

Wenn du die betroffene Schnecke kühler und trockener hältst, tritt die Besserung schnell ein, nach 2-3 Tagen!
Hier gibt es einen Thread dazu:
Weinbergschnecken und zu hohe Luftfeuchtigkeit ?
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Re: NOTFALL! Mantelvorfall bei *Helix pomatia* – heilbar?

Beitragvon captain am 13.09.2026, 15:48

vielen Dank, setze ich sofort um
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Re: NOTFALL! Mantelvorfall bei *Helix pomatia* – heilbar?

Beitragvon captain am 13.09.2026, 15:59

Hallo Rasputin nochmals Danke für die schnelle Antwort – das gibt mir tatsächlich noch etwas Hoffnung.

Meine Schnecke ist allerdings schon seit längerer Zeit vollständig ausgewachsen. Außerdem hatte sie eigentlich das ganze Jahr über ein Formtief: sehr passiv, ungewöhnlich lange Ruhephasen, Gewichtsverlust und keinerlei Interesse an Paarung oder Eiablage. Zwischenzeitlich fraß und trank sie wieder besser, inzwischen ist sie jedoch erneut sehr schwach und der Mantelvorfall scheint eher zuzunehmen.

Sie sitzt seit mehreren Tagen einzeln auf einem Teller. Dieser war bisher immer leicht feucht beziehungsweise stellenweise mit einem dünnen Wasserfilm versehen. Die Luft liegt momentan bei ungefähr 22 °C und 60 % relativer Feuchtigkeit. Mit sofortiger Wirkung habe ich das freie Wasser entfernt; nur Futter und Blätter sind noch leicht feucht. Gerade hat sie immerhin wieder etwas Süßkartoffel gefressen.

Kannst du dich noch erinnern, wie kühl und trocken du deine Helix pomatia damals ungefähr gehalten hast? War sie bereits vollständig ausgewachsen, und wie ausgeprägt beziehungsweise großflächig war der Mantelvorfall bei ihr? Nach zwei bis drei Tagen eine erkennbare Besserung zu sehen, wäre natürlich ein sehr hoffnungsvolles Zeichen.
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Re: NOTFALL! Mantelvorfall bei *Helix pomatia* – heilbar?

Beitragvon Rasplutin am 13.09.2026, 16:24

3 Beiträge über diesem habe ich einen Link eingefügt zu einer Helix pomatia mit ähnlichem Problem, darin ist auf Seite 1 auch ein Bild meiner damals "kranken" Schnecke (allerdings erst nach der Heilung aufgenommen).
Wie kühl oder trocken ich sie genau gehalten habe, weiss ich leider nicht mehr - stelle deine Schnecke einfach an einen kühleren und trockeneren Ort.
Auf deinem Foto kann ich gar keinen Vorfall erkennen - meine Daumen sind trotzdem gedrückt!
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Re: NOTFALL! Mantelvorfall bei *Helix pomatia* – heilbar?

Beitragvon Fuzzi am 13.09.2026, 18:16

Hi,
ich hatte auch so ein Patient, ich hatte sie damals ungewöhnlicherweise draussen so vorgefunden. Ich hab sie ganz normal ins Terra zu den Cornus ( die es trocken und niedriger LF haben) , auch hatte ich die Badeschale nicht raus, sie lag erst ewig im Heilerdebad, dann zog sie sich in den Blumentopf der oben am Terra befestigt ist zurück. Nach einigen Tagen war sie wieder soweit ok das sie wieder im Terra rumflitzte und mortz Hunger auf Radischenblätter hatte. Ich glaub ich liess sie so insgesamt 2 Wochen drinn, dann durfte sie wieder raus. War alles fest und es hatte sich ein neuer Anbau gebildet.
Lg fuzzi
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Re: NOTFALL! Mantelvorfall bei *Helix pomatia* – heilbar?

Beitragvon captain am 18.09.2026, 14:36

Vielen Dank euch allen für eure Anteilnahme, die aufbauenden Worte, die Fotos und die vielen hilfreichen Hinweise. Es tut wirklich gut zu lesen, dass andere Weinbergschnecken selbst deutlich ausgeprägte Mantelvorfälle überstanden haben.

Mumsnail sitzt inzwischen getrennt auf einem überwiegend trockenen Teller ohne Bodensubstrat. Sie hat dort eine kleine Wasserschale, frisches Futter, gemahlene Eierschale und eine Schale mit feuchter Heilerde. In diese Heilerde ist sie heute ganz von allein hineingekrochen. Dort sitzt sie nun und schläft schon wieder. Sie schläft insgesamt ausgesprochen viel und nimmt leider nur kleine Futtermengen auf.

Besonders große Sorgen macht mir ihr Gewichtsverlust. Sie hat innerhalb relativ kurzer Zeit mehr als acht Gramm Körpermasse verloren und wiegt derzeit nur noch ungefähr 21 Gramm. Sie ist dadurch sehr dünn und entsprechend geschwächt.

Rückblickend habe ich sie wahrscheinlich zu feucht gehalten und den Zustand dadurch möglicherweise verschärft. Ich hatte den Teller aus Sorge vor Austrocknung immer wieder feucht beziehungsweise teilweise nass gehalten. Durch eure Hinweise habe ich verstanden, dass genau das bei Helix pomatia und einem Mantelvorfall offenbar kontraproduktiv sein kann. Jetzt halte ich die Umgebung wesentlich trockener; Wasser und feuchte Heilerde stehen nur noch als getrennte Bereiche zur Verfügung, die sie selbst aufsuchen kann.

Auf normales Bodensubstrat möchte ich sie momentan noch nicht setzen. Ich habe Sorge, dass sich an dem freiliegenden beziehungsweise vorgeschädigten Mantel Erde festsetzt oder sie sich zusätzlich eine bakterielle Infektion einfängt. Auf dem Teller kann ich Wasser und Futter regelmäßig erneuern und alles sauber halten, ohne sie ständig anfassen zu müssen.

Heute hatte ich vorsichtig den Eindruck, dass der vorstehende Mantel etwas flacher und kleiner aussieht. Ich möchte mich noch nicht zu früh freuen, aber vielleicht schlägt die trockenere Haltung tatsächlich langsam an. Nun hoffe ich vor allem, dass Mumsnail noch genügend Kraft hat, die nötige Zeit durchzuhalten.

Noch einmal herzlichen Dank an euch alle. Eure Erfahrungen und eure Unterstützung geben mir wirklich Hoffnung – und Mumsnail kämpft weiter.
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Re: NOTFALL! Mantelvorfall bei *Helix pomatia* – heilbar?

Beitragvon Rasplutin am 18.09.2026, 15:52

Wie schön, dass die Schnecke auf dem Weg der Besserung zu sein scheint!
Den Gewichtsverlust wird sie schnell ausgleichen, wenn die Umgebung wieder OK ist.

Wir vergessen oft, dass Helix pomatia gerne in oder am Rand von Wäldern lebt, wo die Feuchtigkeit nicht extrem hoch ist und die Temperatur im Sommer milder bleibt.

captain hat geschrieben: 13. Sep 2026 17:59
Die Luft liegt momentan bei ungefähr 22 °C

22° C ist zwar unkritisch, aber schon am oberen Rand der Wohlfühltemperatur.
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Re: NOTFALL! Mantelvorfall bei *Helix pomatia* – heilbar?

Beitragvon captain am 18.09.2026, 17:11

Hallo Rasputin,

da hast du mich tatsächlich an einem Punkt erwischt, an dem ich inzwischen ziemlich deutlich sagen muss: Du hattest recht.

Ich habe mich bei den Temperatur- und Feuchtewerten zu sehr von dem großen allgemeinen Schnecken-Mischmasch aus Internet, Büchern und Tabellen leiten lassen. Und da wird leider sehr viel über „Schnecken“ geschrieben, obwohl eine norddeutsche Helix pomatia eben keine afrikanische Riesenschnecke mit Häuschen ist.

Unsere Weinbergschnecken hier oben sind eher Wikinger.

22 Grad sind also nicht dramatisch, aber für so einen norddeutschen Wikinger eben schon fast Strandurlaub.

Dein Hinweis hat bei mir deshalb nicht nur ein zustimmendes Nicken ausgelöst, sondern ziemlich unmittelbar eine kleine Software-Revolution. Habitat 2 und Habitat W haben inzwischen korrigierte Klima- und Feuchteziele bekommen. Auch bei der Bodenfeuchtigkeit bin ich deutlich heruntergegangen – weg von den früheren sehr hohen Werten und hin zu einer wesentlich trockeneren, plausibleren Basis. Da muss ich ganz klar sagen: Danke für den Schubs in die richtige Richtung.

Die Luftfeuchtigkeit ist dabei der schwierigere Kandidat, weil das Habitat natürlich keine eigene Wettergrenze zur Zimmerluft besitzt. Was draußen im Raum an Feuchtigkeit herrscht, will irgendwann auch hinein.

Genau deshalb ist aus der geplanten Kühlung von Habitat W inzwischen eigentlich eine winzige Klimaanlage geworden.

Kühlen und gleichzeitig Feuchtigkeit beherrschen.

Natürlich in einer Baugröße, bei der jeder vernünftige Mensch vermutlich sagen würde: „Kauf doch einfach einen Keller.“

Habe ich aber nicht.

Und überhaupt: Was sollen meine Schnecken im Keller?

Also baut der alte Kapitän eben eine Mini-Klimaanlage.

Habitat W ist mittlerweile ohnehin gefühlt hundert Jahre technische Evolution von Habitat 2 entfernt. Das kleine Ding läuft inzwischen unglaublich stabil und ist konsequent als Fünf-Sterne-Winterkurort gebaut worden: extra weicher und tiefer Boden zum Buddeln, Kork-Krabbelwand, Unterzüge zum Dranhängen, freischwingende Terrasse und sogar eine kleine hängende Badewanne für den feuchten Zwischenstopp.

Wenn eine Schnecke sich tief eingraben möchte, darf sie die Tunnelvortriebsmaschine anwerfen.

Wenn sie lieber irgendwo kleben möchte: bitte schön.

Wenn sie unter der Terrasse schlafen will: auch gut.

Ich bin nur der Architekt. Die Bewohner entscheiden.

Geplant ist, die Temperatur ab etwa Mitte Oktober über eine sehr lange, weiche Kurve langsam Richtung Winter zu fahren und dort ungefähr 6 Grad stabil zu halten. Nicht heute 20 Grad und morgen Kühlschrank, sondern möglichst langsam und unauffällig.

Das Ganze ist übrigens nicht aus technischem Spieltrieb entstanden.

Mama Snail hat mir dieses Jahr ziemlich deutlich gezeigt, dass Papierwerte und Realität zwei verschiedene Dinge sein können.

Sie sitzt gerade praktisch in einer privaten Schnecken-Reha.

Salatpflaster-Teller, zweimal täglich Frischfutter, Schälchen mit Heilerde, frisches Wasser, Regenwasser, pulverisierte Eierschale, geriebene Süßkartoffel, Süßkartoffel am Stück und Löwenzahn aus eigener Zucht.

Eigentlich fehlt nur noch die kleine Glocke, mit der sie nach der Krankenschwester klingeln kann.

Wobei sie die vermutlich nicht benutzen würde.

Sie bewegt sich momentan sowieso nur dann, wenn sie es für unbedingt erforderlich hält.

Also bin ich derzeit tagsüber Techniker und nachts männliche Schneckenkrankenschwester.

Mit der einen Hand wird Mama versorgt, mit der anderen die Klimaanlage für das Winterhotel gebaut.

Dass es den anderen drei sehr gut geht, beweisen sie mir unterdessen auf ihre ganz eigene Art.

Gestern lagen schon wieder 24 neue Eier da.

Ein kleines Gelege.

Ich fürchte nur, das war wieder nicht alles.

Damit nähern wir uns inzwischen etwa 1.600 Eiern von drei Schnecken in diesem Jahr.

Ich denke also, zumindest irgendeinen Punkt muss Habitat 2 getroffen haben, bei dem die Bewohner gesagt haben:

„Hier lässt es sich leben.“

Meine Stirn bekommt bei dem Gedanken an 1.600 kleine Schnuten allerdings leichte Schweißperlen. Einfrieren kommt für mich nicht infrage, also wird betreut, aufgezogen und später – mit entsprechender Genehmigung und wenn die Tiere groß genug sind – ausgewildert.

Langweilig wird mir also nicht.

Wenn die großen Herrschaften dann irgendwann erfolgreich mit Kulleraugen ins Habitat W umziehen und sinngemäß „Hallo Wintersport!“ rufen, bekommt Habitat 2 anschließend ebenfalls seine große Hardware- und Softwarekur nach den Erfahrungen aus Habitat W.

Und deshalb noch einmal ausdrücklich:

Danke für deine Hinweise und auch für die vielen Fotos und Erfahrungen, die du hier immer wieder einstellst. Gerade bei Helix pomatia ist es unglaublich wertvoll, jemanden zu haben, der nicht einfach die nächste allgemeine Schneckentabelle zitiert, sondern aus langer Erfahrung sagen kann: „Schau da noch mal hin.“

Das habe ich getan.

Und offenbar war es höchste Zeit.

Mama soll jetzt erst einmal wieder Kraft sammeln.

Den Rest erledigen wir Schritt für Schritt.

Oder in Schneckengeschwindigkeit.
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